Meine Geschichte: Leidenschaft für blutgeprägte Pferde seit 1982
Schon als kleiner Junge hatte ich den Wunsch, ein eigenes Pferd zu besitzen. Diesen Traum konnte ich mir erst mit meinem ersten Referendarsgehalt erfüllen. Während meine Kollegen sich damals einen Golf GTI oder BMW 323 kauften, investierte ich in die Zukunft: Ich kaufte mein erstes Fohlen, Wilhelmine (von Wendekreis x Gotthard x Almhügel III).
Das war im Jahr 1982. Wilhelmine kostete damals 12.000 D-Mark – eine beachtliche Summe. Einen Teil des Geldes hatte ich mir von meiner Tante geliehen. Die Leidenschaft für Pferde liegt uns wohl im Blut: Sie war, genau wie meine Mutter, eine Tochter des Landstallmeisters Güntzel, dem letzten Landstallmeister in Neustadt an der Dosse.
Der schwere Anfang und die Gründung der Zucht
Meine Eltern teilten meine Pferdeleidenschaft zunächst überhaupt nicht. Mein Plan, unsere Garage in einem Wohngebiet in einen Pferdestall umzubauen, scheiterte am Veto meines Vaters.
Doch ich ließ mich nicht beirren. Nach reiflicher Überlegung und Kalkulation gab ich einem befreundeten Züchter und Tierarzt aus Burgdorf einen entscheidenden Tipp: Er sollte seine Gotthard-Stute Govinja (eine Vollschwester zu den Spitzenvererbern Gardestern und Goldspring) zu dem Hengst Wendekreis bringen.
Aus dieser Anpaarung entstand mein erstes Stutfohlen Wilhelmine. Später kaufte ich ihm noch eine zweite Wendekreis-Tochter ab: Wilhelmine II. Diese beiden Stuten bilden bis heute das solide Fundament meiner Hannoveraner Zucht.
Zuchtphilosophie: Gegen den Strom für mehr Leistung
Eigentlich konnte mit dieser Abstammung nichts schiefgehen. Hannover war das Maß aller Dinge im Zuchtgebiet. Die Kombination aus Gotthard und Ferdinand – den Hengsten der Zeit – war erfolgversprechend.
Doch ich wollte gezielt Springpferde züchten und suchte nach mehr „Blut“ und Härte. Es fehlte der Einfluss von Furioso II, weshalb ich mich entschied, den Hengst Zeus zu nutzen. Mit beiden Hengsten machte man sich damals in Hannover keine Freunde – sie galten als zu eigenwillig. Doch für die Leistung war es der richtige Weg.
Der Einfluss von Trakehnern und Vollblut
Aus Freundschaft zu einem Trakehner-Züchter besuchte ich anfangs oft den Trakehner Hengstmarkt. Für die Springpferdezucht war das damals ernüchternd, es gab nicht einmal Freispringen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und durch strenge Selektion bringt auch diese Zucht heute Spitzenpferde hervor.
Ich selbst setze in meiner Zucht auf Veredelung und Härte. Daher sind bei mir drei Stuten von Special Memories im Einsatz:
Special Memories ist ein Sohn des legendären Trakehners Abdullah, der in den 80er Jahren den internationalen Springsport prägte.
Er ist zudem ein Halbbruder der berühmten Vollblutstute Touch of Class, Doppelgoldmedaillengewinnerin der Olympischen Spiele in Los Angeles.
Diese Blutlinien brachten die nötige Härte und Schnelligkeit, wo klassische Hannoveraner Linien (wie Aramis von Argentan) teils an ihre Grenzen kamen.
Ein kritischer Blick auf die heutige Hannoveraner Zucht
Ich beobachte die Entwicklung kritisch: Wenn die direkten Nachkommen von De Niro und For Pleasure aus dem Sport verschwinden, wird es für Hannover im internationalen Vergleich schwerer. Zwar blüht die B-Linie (Bolero) auf, doch für den Springsport braucht es weiterhin kompromisslose Leistungszucht.
Glücklicherweise ist der Verband inzwischen personell so aufgestellt, dass die Weichen wieder auf Spitzenleistung gestellt werden. War nicht so gemeint.