Zucht ist kein Sprint, sondern ein Jahrhundertwerk: 40 Jahre Datenschatz
Wer heute durch die Auktionskataloge blättert, sieht oft nur das schnelle Funkeln der Mode. Doch wer sich, wie ich, seit 1988 – also seit bald vier Jahrzehnten – intensiv mit der Zuchtwertschätzung befasst, weiß: Wahre Qualität entsteht nicht durch das Hinterherlaufen von Trends. Meine Marktanalyse auf Basis von WBFSH-Daten belegt das eindrucksvoll.
Es gibt ein Zitat von Dr. Hartwig aus dem Hannoverschen Pferd, das meine Philosophie perfekt auf den Punkt bringt:
„Wer mit der Mode züchtet, züchtet planlos.“
Während die Mode kommt und geht, verlasse ich mich auf harte Fakten. Über Jahrzehnte habe ich eine Datenbasis aufgebaut, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Es ist ein Schatz, den ich behüte, denn diese Zahlen lügen nicht.
Die nackten Zahlen: Ein Schatz aus Lausanne
Meine aktuellen Auswertungen basieren auf den offiziellen WBFSH-Rankings, die in Kooperation mit dem FEI-Hauptquartier in Lausanne erstellt werden. Hier fließen ausschließlich validierte Ergebnisse aus dem internationalen Sport ein. Vergessen Sie spekulative Plattformen wie Horsetelex – wenn es um echte züchterische Relevanz geht, zählt nur die harte sportliche Realität der FEI.
Meine Datenbasis auf einen Blick:
- 115.667 Datensätze aus 22 Jahren (2004–2025).
- Über 44.000 individuelle Pferde (jedes Pferd erscheint im Schnitt 2,6 Mal im Zeitverlauf).
- 100.975 Einträge im Springen und 14.692 in der Dressur.
Spannende Erkenntnisse aus der Tiefe der Statistik
Die Analyse dieser Daten offenbart Trends, die für jeden ernsthaften Züchter Gold wert sind. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das, was meine Auswertungen zeigen:
1. Die Haltbarkeit im Parcours steigt
Ein erfreulicher Trend: Die Pferde werden tendenziell länger im Sport eingesetzt.
- Im Springen stieg das Durchschnittsalter von 10,9 Jahren (2009–2015) auf mittlerweile 11,4 Jahre.
- Der Anteil der „Oldies“ (über 14 Jahre) im Parcours ist von 7 % auf 11 % geklettert. Ein klares Zeichen für eine bessere Reitweise und ein Management, das auf Langlebigkeit setzt. Schockemöhles Gebissexperimente der Vergangenheit haben sich hier sichtlich nicht ausgezahlt.
2. Dressurpferde: Die Beständigen
In der Dressur bleibt das Bild stabil. Dressurpferde sind die „Spätberufenen“ und Dauerbrenner: Mit einem Durchschnittsalter von 13,3 Jahren sind sie im Schnitt 2,3 Jahre länger im Einsatz als ihre springenden Kollegen. Ein Drittel der Dressurpferde im Ranking ist älter als 14 Jahre.
3. Der frühere Einstieg
Die Daten zeigen auch: Der Weg an die Spitze wird schneller gesucht. Das Einstiegsalter im internationalen Ranking ist von ca. 11 Jahren (Kohorte 2004) auf rund 9,5 Jahre gesunken. Die Pferde kommen heute früher in den Fokus der Weltspitze.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Diese Zahlen sind mehr als nur Statistik – sie sind das Fundament für eine Zucht, die Bestand hat. In nächster Zeit werde ich diese Auswertungen weiter aufarbeiten. Seien Sie gespannt auf tiefere Einblicke in die Karrierespannen und die Vererbungskraft der verschiedenen Linien.
Eines ist sicher: Während andere noch der Mode von morgen suchen, arbeite ich bereits mit der Evidenz aus 40 Jahren Erfahrung.
Bernhard von Boehn
Mehr über unsere datenbasierte Zuchtphilosophie: Marktanalyse & Züchterische Auswertung | Unsere Stuten | Über den Züchter. Die Daten stammen aus den offiziellen WBFSH-Statistiken und werden im Einklang mit den Zuchtzielen des Hannoverschen Verbandes und des Landgestüts Celle ausgewertet. Medizinische Beurteilungen unserer Zuchttiere erfolgen in Abstimmung mit der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover.